Faire Löhne, starke Betriebsräte, Mitbestimmung

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Mit guter Arbeit zum attraktiven Wirtschaftsstandort/Thüringen braucht Recht und Ordnung auf dem Arbeitsmarkt

Ein Wirtschaftsstandort ist dann attraktiv, wenn er mit guten Standortbedingungen und mit guter Arbeit punktet. Faire Löhne, angemessene Arbeitszeiten, ein hohes Qualifikationsniveau, Mitbestimmung und sichere Arbeitsverträge machen gute Arbeitsbedingungen aus. Mit guter Arbeit können junge Thüringer hier gehalten und gut ausgebildete Fachkräfte für Thüringen gewonnen werden. Eine entscheidende Voraussetzung ist die konstruktive Zusammenarbeit von Unternehmensleitung und Belegschaften. Die Sozialpartnerschaft hat sich in der Finanz- und Wirtschaftskrise als entscheidender Vorteil bewährt und maßgeblich geholfen, dass die Unternehmen in Deutschland so schnell aus der Krise herausgekommen sind. Eine gute Sozialpartnerschaft beruht auf zwei starken Säulen – Arbeitgebern und Arbeitnehmern. Wenn die Arbeitnehmerseite schwach ist, bleibt gute Arbeit auf der Strecke. Die Produktivkraft durch Sozialpartnerschaft muss in Thüringen gestärkt und weiterentwickelt werden.

Eine starke Tarifbindung ist entscheidend für gute Löhne: Nur 22 Prozent der Betriebe in Thüringen sind tarifgebunden, nur 47 Prozent der Beschäftigten werden entsprechend einem Branchen- oder Haustarif bezahlt. Dies ist eine Verschlechterung, da im Jahr 2006 schon einmal 29 Prozent der Betriebe und 54 Prozent der Beschäftigten tarifgebunden waren.

Thüringen braucht Recht und Ordnung auf dem Arbeitsmarkt. Dem Niedriglohnimage, das Abwanderung verstärkt und den Ruf eines Landes beschädigt, muss ein Ende gesetzt werden. Die Lohnschere zwischen Ost und West muss aufgehoben werden, um Arbeitnehmer für Thüringen zu gewinnen. Atypische Beschäftigung, Niedriglöhne und Missbrauch der Leiharbeit müssen bekämpft werden. Bei Leiharbeit hat der Freistaat die rote Laterne: Ende 2010 gab es rund 30 000 Leiharbeitnehmer. Ausserdem verdienten 34 Prozent der Thüringer weniger als 8,50 Euro die Stunde. Thüringen liegt damit auf Rang 16 unter den Bundesländern. Man sieht: Der Freistaat hat einen flächendeckenden Mindestlohn bitter nötig.

Gute Arbeit heißt Mitbestimmung. Thüringen braucht starke Betriebsräte. Derzeit haben nur 38 Prozent der betriebratsfähigen Unternehmen in Ostdeutschland einen Betriebsrat. Knapp 90 Prozent der Großbetriebe mit mehr als 500 Beschäftigten haben einen Betriebsrat, aber weniger als 10 Prozent der Betriebe mit 5 bis 50 Beschäftigten. Nur deutlich weniger als 1 Prozent aller Thüringer Unternehmen beschäftigen mehr als 250 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Thüringen braucht starke Betriebsräte, denn gute Arbeit in den Betrieben kann nur mit starken Betriebsräten umgesetzt werden.

Eine gute Ausbildung ist der Schlüssel zur Fachkräftesicherung. Jetzt in Zeiten des Aufschwungs kann Thüringen zu einem attraktiven Bundesland für Jugendliche werden. Das wichtigste Werbeargument ist und bleibt eine angemessene Ausbildungsvergütung. Es führt kein Weg daran vorbei, dass die Betriebe ihre Auszubildenden mindestens auf dem Niveau der geltenden Tarifverträge bezahlen. In der Vergangenheit ist dieses Niveau von nicht tarifgebundenen Unternehmen zum Teil um bis zu 20 Prozent unterschritten worden. Auch die Übernahme nach der Ausbildung ist eine grundlegende Maßnahme für die Fachkräftesicherung. Letztlich ist dies der einfachste Weg, junge Fachkräfte an das Unternehmen zu binden.