Sozialwirtschaft Thüringen: Starke Branche mit 58.000 Beschäftigten

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Zu den sozialen Dienstleistungen, die von der Studie erfasst werden, gehören u. a. die Altenpflege, die frühkindliche Förderung, die Kinder- und Jugendhilfe, die Behindertenhilfe oder die Beratung von Menschen in Notlagen. „In der Sozialwirtschaft werden arbeitsintensive, personennahe Dienstleistungen erbracht, bei denen die menschliche Arbeitskraft die zentrale Rolle spielt“, sagte Taubert. Die rund 4 800 sozialen Einrichtungen seien deshalb wichtige Arbeitgeber gerade auch in ländlichen und strukturschwachen Regionen Thüringens.
Als ein „Märchen“, das durch die Studie eindeutig widerlegt worden sei, bezeichnete Wirtschaftsstaatssekretär Staschewski die Behauptung, dass die Sozialwirtschaft eher als ein Kosten- denn als ein Wirtschaftsfaktor gesehen werden müsse. „39 Prozent der eingesetzten Mittel fließen in Form von Sozialversicherungsbeiträgen und Steuern wieder an die öffentliche Hand zurück.“ Würden noch weitere Effekte – beispielsweise die in anderen Wirtschaftszweigen erzeugte Beschäftigung – berücksichtigt, liege die Rückflussquote sogar bei 73 Prozent. „Allein die Einsparungen durch die Vermeidung von Arbeitslosigkeit belaufen sich auf mehr als 300 Mio. Euro“, so der Staatssekretär.
Von den rund 58 000 Erwerbstätigen im Bereich der sozialen Dienstleistungen sind 46 000 sozialversicherungspflichtig beschäftigt – 6,5 Prozent aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Thüringen. Hinzu kommen weitere 25 000 ehrenamtliche Mitarbeiter, die mehr als 3,3 Mio. Stunden in sozialen Einrichtungen tätig waren. Die Wissenschaftler schätzen den Wert dieser ehrenamtlichen Leistungen, müsste man sie auf dem Markt einkaufen, auf etwa 500 Mio. Euro. Entscheidend ist dabei aus Sicht von Staatssekretär Staschewski: „Die Sozialwirtschaft ist ein weitgehend konjunkturunabhängiger Wirtschaftsbereich, der selbst in den Krisenjahren 2008 und 2009 noch gewachsen ist.“
Aus Sicht von Sozialministerin Taubert liegt eines der größten Entwicklungshemmnisse für die Branche darin, dass das Angebot an qualifizierten Fachkräften rückläufig ist. So konnte fast die Hälfte der befragten Einrichtungen (44 Prozent) in den vergangenen zwei Jahren offene Stellen über einen längeren Zeitraum nicht besetzen. In mehr als jeder dritten Einrichtung gibt es derzeit einen Fachkräftebedarf, der nicht gedeckt werden kann.
Einen wichtigen Faktor zur Verbesserung des Fachkräfteangebots sieht Wirtschaftsstaatssekretär Staschewski in den Arbeits- und Entlohnungsbedingungen der Branche: „In der Sozialwirtschaft gibt es viel Teilzeitarbeit und viele befristete, niedrig entlohnte Beschäftigungsverhältnisse.“ Die Löhne und die Qualität der Arbeitsbedingungen müssten sich erheblich verbessern, um Fachkräfte für die Branche zu gewinnen.
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